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Kinderhilfsprojekt Bhutan

13.12.2011

Letztes Jahr haben wir in der Weihnachtszeit gemeinsam mit euch, den Spielern von Runes of Magic und Bounty Bay Online, Spenden für Kinderhilfsprojekte im Königreich Bhutan gesammelt.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte die von uns mit 82.000 Euro unterstützte Organisation Save the Children begonnen, die vereinbarten Projekte umzusetzen. Anfang November waren wir vor Ort zu Besuch, um uns einen Eindruck vom Einsatz des Spendengeldes zu machen.

Wenn ihr wissen wollt, was wir alles im Land des Donnerdrachens erlebt haben, dann klickt auf „weiterlesen“.

 

Über den Himalaya und an schneebedeckten Gipfeln vorbei ging unser Anflug von Bangkok kommend nach Paro. In einem spektakulären Manöver steuerte der Pilot eine der beiden Airbus A 319 der königlichen Fluggesellschaft Druk Air durch eine schmale Schlucht hindurch. Bei jeder Drehung stoßen die Tragflächen fast an die Berghänge. Schließlich kommen die farbig bemalten Fachwerkhäuser an den Hängen immer deutlicher in Sicht und wir landen sicher im sonnigen Tal von Paro, durch das ein rauschender Gebirgsfluss fließt. Wir sind in Druk Yul, dem Land des Donnerdrachens, wie das Himalaya-Königreich Bhutan in der lokalen Sprache genannt wird.

Die von Frogster geförderten Programme unterstützen insbesondere „Youth Education“, also die Ausbildung und Weiterbildung von Jugendlichen und „Life Skills“ wie den Umgang mit neuen Medien und Technologien. Denn in Bhutan haben nach Jahrzehnten der starken, durch die geografische Lage bedingten Abschottung in den letzten 15 Jahren die Segnungen der Moderne wie Fernsehen, Computer, Internet und Mobilfunk mit aller Macht und all ihren umwälzenden Konsequenzen Einzug gehalten. Tragen die Menschen im Berufsleben und in der Schule stets die traditionelle, farbenfrohe Wickelkleidung, sind jetzt insbesondere die Jugendlichen mit vielen verschiedenen Einflüssen aus dem Westen und aus den asiatischen Nachbarländern Indien, Japan, Korea und China konfrontiert. So gibt es in Thimphu mittlerweile auch eine ganze Reihe von Internetcafés und Game Centers.

Das Team erläutert, dass ein wesentliches von Frogster gefördertes Projekt die Einrichtung und der Betrieb von Jugendzentren im Lande ist. Die Jugendzentren bieten kleinere Sportanlagen, alle möglichen Spiele von Schach bis Tischtennis, Computerarbeitsplätze mit Internetzugang, Bibliotheken, Fotokopierer und Services wie Bindung und Laminierung für Druckmaterialien. Daneben organisieren sie eine Reihe von Aktivitäten von Tänzen und Musik über Ausflüge, Workshops und Kurse. Als Anlaufstelle für Jugendliche nehmen die Youth Centers auch Beratungsfunktionen für Heranwachsende wahr. So können die Jugendlichen die Jugendzenteren auch per Telefon erreichen. Auf der Beratungshotline spielen drei Themen die Hauptrolle: die Leistungen in der Schule, Drogenprobleme und emotionale Probleme mit persönlichen Beziehungen.

Neben der Beratung vor Ort und per Telefon hat Save the Children inzwischen auch eine Online-Beratung eingerichtet, die z.B. die Beratung Heranwachsender, die zum Studieren ins Ausland gehen, insbesondere nach Indien, übernimmt. Nach dem Studium kehren die meisten Jugendlichen in der Regel in ihr Land zurück, das sich die Steigerung des „Gross National Happiness“, des allgemeinen Glücks, als staatliche Maxime gegeben hat.

Save the Children konnte mittlerweile die Einrichtung von sieben Jugendzentren im Land erreichen, von denen zwei in der Hauptstadt beheimatet sind. Bis 2010 haben 21.804 Jugendliche des Landes diese Einrichtungen genutzt. Drei weitere sollen bis 2013 entstehen. Alle Youth Centers werden formell vom „Department of Youth & Sports“ des Bildungsministeriums betrieben. Mittelfristig sollen sie von den lokalen Gemeinden oder von den Jugendlichen selbst betrieben werden.

Mit dem zweiten Projekt fördert Frogster den Austausch zwischen Eltern und Schülern über die Probleme Heranwachsender im Umfeld der abrupten Modernisierung Bhutans. Im Rahmen des „School-based Parent`s Education & Awareness Programs“ (SPEA) sind seit seinem Start im Jahr 2000 an 138 Schulen in allen 20 Distrikten des Landes Workshops für Eltern ausgerichtet worden, die sie für die Sorgen und Nöte ihrer Kinder sensibilisieren. Dieses Programm hat bis 2010 13.462 Eltern und damit 78,2 Prozent aller Eltern von Schulkindern im Land erreicht. Auf diese Weise erreicht das Programm de facto alle Jugendlichen in ganz Bhutan. Die Regierung wird es nach einem Phase-out der Förderung durch Save the Children ab 2013 komplett übernehmen.

Mit den Fördermitteln von Frogster hat Save the Children zudem zwei Ratgebermagazine für Jugendliche produziert und an den Schulen des Landes verteilt. Die sog. „Youth Digests“ beschäftigen sich mit aktuellen Problemen und typischen Fragen Heranwachsender. Die jungen Leser werden stets vorab befragt, welche Themen sie in der nächsten Ausgabe lesen möchten und so weit wie möglich in die Produktion einbezogen. Die aktive Beteiligung soll in der Zukunft allerdings noch deutlich stärker gefördert werden, wie Ghaley, der Leiter von Save the Children Bhutan, einräumt.

Die Bevölkerung des Landes ist noch zu ca. 70 Prozent auf Subsistenzwirtschaft angewiesen. Diese bäuerliche Wirtschaftsweise ist vor allem in den entlegenen, ländlichen Teilen Bhutans anzutreffen. Das Land baut aber auch Gewürze und Obst für den Verkauf und den Export an, darunter vor allem die überall auf Dächern trocknende Nationalschote Chili. Daneben hat Bhutan sehr viel natürliche Wasserkraft zu bieten. Nachhaltiger Tourismus wie Trekking und Bergsteigen sowie Mineralien sind weitere bedeutende Wirtschaftszweige.

Nach diesem Crash Kurs in Landeskunde begleitete Ghaley uns zu einem Empfang im Bildungsministerium des Landes. Der Direktor des „Department of Youth & Sports“ nahm sich extra Zeit, uns zu begrüßen und uns mit einigen leitenden Mitarbeitern die gemeinsamen Projekte aus seiner Sicht zu erläutern. Auch hier fiel auf, dass Organisationen und Behörden durchweg mit gutem technischem Arbeitsgerät ausgestattet sind. Laptop, Beamer und Powerpoint waren auch hier ganz normaler Standard.

Direktor Chencho Dorji erläuterte, dass Bhutan seine Ressourcen in Fünf-Jahresplänen organisiere. Der aktuelle Plan sieht vor, für eine hundertprozentige Abdeckung mit Bildungszugang für alle Heranwachsenden im Land zu sorgen – keine einfache Aufgabe bei Fahrtzeiten von teilweise bis zu zwei Tagen in die entlegenen Bergregionen des Landes. In jedem Distrikt hat die Regierung inzwischen einen Education Officer installiert, der die Aus- und Weiterbildung in der Region koordiniert.

Am Samstag ging es nun endlich in die Projekte. Als erstes stand für uns der Besuch eines SPEA-Workshops auf dem Programm. Bei diesem Workshop an der Babesa Middle Secondary School in Thimphu waren rund 20 Eltern anwesend, die an den bisherigen Terminen nicht teilnehmen konnten. Die ersten beiden Workshops an dieser Schule wurden von je ca. 30 Eltern besucht. Der Workshop startete mit einer Gruppenarbeit zur Diskussion der typischen Probleme, die Eltern mit ihren Kindern haben. Auseinandersetzungen über die Höhe des Taschengelds, Konflikte zwischen den Eltern und ihren Kindern, zu langes Ausbleiben der Kinder sowie der Einfluss von Freunden wurden von den Eltern vorgebracht – Probleme wie sie Jugendliche und ihre Eltern wohl weltweit haben. Neben den Eltern kamen auch einige ausgewählte Jugendliche anderer Familien zur Sprache, die auf die Aufforderung der sehr lebendig moderierenden Focal Teacher hin stellvertretend ihre Perspektive schilderten.

Beim hervorragenden, in der Schule für alle Teilnehmer mit viel Chili zubereiteten Mittagessen hatten wir Gelegenheit zum Austausch mit Parvati Sharma und Sonam Pelden von Save the Children Bhutan, die uns begleiteten.

Danach stand der Besuch eines Youth Centers in der Hauptstadt Thimphu auf dem Programm. Bei unserer Ankunft im Jugendzentrum Chang Jiji, das in einer der zahlreichen neuen Wohnsiedlungen von Thimphu gelegen ist, wurde das Basketballfeld rege genutzt. Im Schulungsraum hielt ein Fotograf aus Singapur gerade einen Foto-Workshop für Jugendliche ab. Auch die Computer erfreuten sich großer Beliebtheit. Neben Facebook waren hier kleinere Computergames der Renner.

In einem Nebenraum ist die kleine Bibliothek untergebracht und die ganz Kleinen werden durch eine Betreuerin beim Malen und Basteln unterstützt. Es hat uns viel Spaß gemacht, selber einmal wieder Schiffchen oder Himmel und Hölle zu falten und den Kindern diese Figuren beizubringen. An der Wand des Jugendzentrums zeugten eine ganze Reihe von Fotos von regelmäßigen Aktivitäten und Veranstaltungen wie Pfadfinder-Lagern, Sportwettkämpfen und Musik-Kursen. Selbst bekannte bhutanische Sänger und Schauspieler konnte das Leitungsteam des Zentrums schon für Workshops gewinnen. Mit der Gewissheit einer guten Leitung und Organisation des Jugendzentrums und reger Beteiligung durch die Jugendlichen machten wir uns auf den Weg zu einer ausführlichen Besichtigungstour der Sehenswürdigkeiten von Thimphu.

Sie führte uns von einer gigantischen, goldenen Buddha-Statue auf einem Berghang an den bescheidenen Wohnhäusern der Königsfamilie vorbei zu einigen imposanten Klosteranlagen (sog. Dzongs) und schließlich zu einer großen Stupa mit mehreren Gebetsmühlen, dem National Memorial „Chorten“, das die die Königsmutter seinerzeit zum Tod des dritten Königs von Bhutan Jigme Dorji Wangchuck erbauen ließ.

Schließlich schlenderten wir auch noch ein wenig durch die Innenstadt von Thimphu, die aufgrund ihrer Holzbauweise ein wenig an einen Skiort in den Alpen erinnert.

Für den Montag hatte das Team von Save the Children eine Bergwanderung zum nationalen Wahrzeichen, dem Kloster Taktshang organisiert, das wie ein Vogelnest hoch oben auf einem Vorsprung eines Hunderte Meter hohen Felsens über Paro thront. Sein Name, der übersetzt „Tiger’s Nest“ bedeutet, verweist auf die Legende. Der buddhistische Glaubensstifter sei hier auf den Flügeln eines Tigers erstmals in Bhutan gelandet und habe von dort aus seinen Glauben im Land verbreitet.

Die Besichtigung einer alten Festungsruine vor atemberaubender Kulisse schneebedeckter Sechstausender in einem Dorf in der Nähe von Paro beschließt diesen wunderbar sonnigen Besichtigungstag und unseren Field Trip ins Land des Donnerdrachens.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Spielern von Runes of Magic und Bounty Bay Online bedanken, die diese großartigen Projekte in diesem eindrucksvollen Land mit uns unterstützt haben. Wir hoffen, unser Reisebericht hat euch gefallen und denken schon über eine geeignete Fortsetzung der Projekte nach.